Chronik

Der TSV wurde am 30.3.1926 in Saulheim gegründet und zählt aktuell mehr als 600 Mitglieder. Zweck des Vereins ist die Förderung der Leibesübungen, er ist in die Abteilungen 
Handball, Gymnastik, Freizeitsport und Leichtathletik gegliedert.
Das Gründungsjahr 1926 für einen Turn- und Spielverein muss auf den ersten Blick erstaunen, hat man sich doch in den zurückliegenden Jahren an den 100. oder sogar 150. Geburtstag von Turnvereinen in unseren Nachbargemeinden und auch in Saulheim gewöhnt. 
Bei näherem Hinsehen wird das Gründungsjahr 1926 aber doch verständlicher, vor allem dann, wenn man bedenkt, dass es im früheren Ortsteil Ober-Saulheim natürlich schon Jahrzehnte früher einen rührigen Turnverein gegeben hat – seit dem Jahr 1881.
In diesem Verein wurden das Turnen, Gymnastik, Leichtathletik, aber auch die sogenannten Turnspiele wie Faustball, Prellball, Korbball usw. betrieben. Ab 1923 existierte in diesem Verein auch eine Sparte Handball, die schon bald von ihren ersten Lehrmeistern und Trainingspartnern aus Sprendlingen nichts mehr lernen konnte und durch regionale und überregionale Erfolge auf sich aufmerksam machte.

Trotz großer Erfolge fühlten sich die Handballer in dem traditionell auf das Turnen ausgerichteten TV 1881 Ober-Saulheim nicht so recht wohl. Die Ballspielbewegung fand bei den Turnern wenig Verständnis; die vornehmlich jungen Handballer fühlten sich unterdrückt.
Deshalb traten im März 1926 52 junge Leute, viele davon aktive Handballer, aus dem Verein aus und gründeten im Vertrauen auf ihren jugendlichen Elan und ermuntert durch die eigenen sportlichen Erfolge am 30. März 1926 den TSV Ober-Saulheim mit den Abteilungen Handball, Turnen und Leichtathletik.

Es war schon ein Wagnis, in einem Dorf mit nicht mehr als 600 Einwohnern einen zweiten Sportverein aus der Taufe zu heben, der sich mit einem Kontrahenten zu messen hatte, der auf eine immerhin schon mehr als vier Jahrzehnte lange Tradition zurückblicken konnte und der, was viel schwerer wog, im Bewusstsein der Dorfbevölkerung als der Turnverein fest verankert war.
Hinzu kamen auch einige organisatorische Schwierigkeiten, da man als „Abtrünnige“ einige Mühe hatte, in einen Sport-Fachverband aufgenommen zu werden.
Es sei hier nur am Rande vermerkt, dass es in jenen Jahren bis zu vier offizielle Deutsche Meister im Feldhandball gab.

Vor allem sportliche Erfolge der Handballer sorgten für einen stetigen Aufschwung in den ersten Jahren nach der Gründung. So berichtet der Chronist, dass man vor allem um eine gute Jugendarbeit bemüht war, was dazu führte, dass bereits im Jahr 1926 zwei
Jugendmannschaften am Spielbetrieb teilnahmen.
Weiterhin wird berichtet, dass bereits im Jahr 1928 eine Damen-Gymnastik-Abteilung dem Verein angegliedert wurde. Man veranstaltete jedes Jahr Vereinsmeisterschaften im „volkstümlichen Turnen“ und beteiligte sich auch immer häufiger an Veranstaltungen anderer Ortsvereine.

In den frühen Jahren machten auch die Leichtathleten, vor allem die Schüler, durch überregionale Erfolge auf sich und ihren Verein aufmerksam.
Man überstand, wenn auch manchmal mit Mühe, die schwierigen Zeiten in den 30er Jahren; auch von politischen Fehlentwicklungen blieb der Verein nicht verschont. Dennoch gelang es, einen geordneten Spiel- und Übungsbetrieb bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges aufrecht zu erhalten.

Während der Zeit des 2. Weltkrieges kam der Spiel- und Übungsbetrieb völlig zum Erliegen. Unter schwierigsten Bedingungen – viele der Mitglieder und aktiven Sportler waren im Krieg gefallen oder noch vermisst – fand am 20. Februar 1946 die Wiedergründung statt.
Erstes Zeichen des Aufbauwillens nach dem Krieg war die Errichtung eines neuen Sportplatzes. Dieser wurde im Jahr 1948 mit dem ersten Kleinfeld-Turner eingeweiht. Diese Kleinfeld-Turniere wurden bis zum Jahr 1988 durchgeführt, so lange wie es eine eigenständige Handball-Abteilung im TSV Ober-Saulheim gab.

Es dauerte immerhin bis zum Jahr 1948, ehe auch die Leichtathletik- und Turnabteilung neu gegründet wurden.
Ein besonderer Meilenstein in der Geschichte des Vereins ist das Jahr 1951, in dem der 25. Geburtstag gefeiert wurde. 
Die Eindrücke der Festtage fasste der Chronist der AZ wie folgt zusammen:

„Die Festtage des 25. Jubiläums des TSV Ober-Saulheim gestalteten sich zu einer Leistungsschau von Format, die dem TSV weitere neue Freunde und Anhänger gebracht hat.“

Besonderen Anteil an den gelungenen Festveranstaltungen im Jahr 1951 hatte der damalige Turnwart Karl Kreis, der sich in den 50er Jahren große Verdienste bei der Wiederbelebung der Turnabteilung erworben hatte.
Die folgenden Jahre waren gekennzeichnet von einer wechselhaften Entwicklung in der Handballabteilung, errungenen Meisterschaften folgte oft der Abstieg.

Erst im Jahr 1954 konnte zum ersten Mal nach dem Krieg eine eigene Jugendmannschaft gemeldet werden, die allerdings auf Anhieb große Erfolge verbuchen konnte. In dieser Mannschaft spielten Männer wie O. Freitag, A. Dörrschuck, E. Caliari, D. Lehrbach und andere, Namen, die später weit über ein Jahrzehnt dem Handballsport im TSV Ober-Saulheim das Gepräge gaben.

Der eigentliche Generationswechsel vollzog sich in der Saison 1959/60, was sofort die Meisterschaft in der A-Klasse Mainz-Alzey mit sich brachte und ein Jahr später mit der gleichen Mannschaft die Meisterschaft in der Bezirksklasse Rheinhessen.
Endlich war das große Ziel erreicht: die Zugehörigkeit zur höchsten rheinhessischen Spielklasse. Für eine dauerhafte Zugehörigkeit reichte die Substanz der Mannschaft nicht ganz aus. Deshalb waren Abstieg und Meisterschaften auch in den 60er Jahren an der Tagesordnung. Dies geschah zuletzt im Jahr 1968.

Doch die Bedeutung des Feldhandballspiels ging immer weiter zurück, auch die Begeisterung der Spieler des TSV Ober-Saulheim ließ immer mehr nach. Man folgte dem großen nationalen und vor allem internationalen Trend und verlegte den jeweiligen Saisonhöhepunkt in das Winterhalbjahr mit der Hallenrunde, während die Großfeldspiele mehr oder weniger als Pflichtübung betrachtet werden. Trotzdem konnte man sich bis zur letzten Feldhandballrunde im Handballverband Rheinhessen unter den 10 besten Teams in diesem Landesverband behaupten.

Das Handballspielen auf dem verkleinerten Spielfeld mit verringerter Spielerzahl hat im TSV Ober-Saulheim eine lange Tradition, denn es wurden seit 1948 bis 1988 jedes Jahr Kleinfeld-Turniere veranstaltet. Man hatte sehr früh erkannt, dass das „verkleinerte“ Spiel eine besondere Publikumswirksamkeit hatte und auch den Spielern großen Spaß machte. Einer schnellen Verbreitung dieses „neuen“ Spieles standen vor allem organisatorische Schwierigkeiten im Wege, es fehlte vor allem an den geeigneten Sporthallen. So war man froh, dass man in den ersten Jahren in den Kasernen der Amerikaner in Dexheim, Wackernhein und Gonsenheim zu Gast sein durfte. Und welcher aktiver Handballer, der in den 60er Jahren aktiv war, kennt nicht die Mombacher Eintrachthalle in- und auswendig?

Der TSV Ober-Saulheim war bei den Verbandsrunden im Hallenhandball von Anfang an dabei; konnte aber nie an die großen Erfolge im Feldhandball anknüpfen. Zwar gehörte man zwischenzeitlich für eine Saison der rheinhessichen Oberliga an, doch im Durchschnitt der Jahre hatte man sich auf einem mittleren Leistungsniveau, sprich „Bezirksklasse“ eingependelt.
Erst der Bau der Saulheimer Sporthalle bracht optimale Trainingsbedingungen und als Lohn der intensiven Bemühungen die Meisterschaft im Jahr 1974 und damit den Aufstieg in die Verbandsliga. Der Aufstieg in das rheinhessische Oberhaus wurde in den darauffolgenden Jahren mehrfach nur ganz knapp verpasst.

Ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte des Vereins war das Jahr 1976, als man unter reger Anteilnahme der gesamten Dorfbevölkerung vier Tage lang den 50. Geburtstag feierte. Aus der Fülle der Veranstaltungen sind der große Festkommers, das Gau-Kinderturnfest mit 1.000 Teilnehmern sowie das Jubiläumsspiel einer Rheinhessen-Auswahl gegen den damaligen Deutschen Meister und mehrfachen Europapokal-Gewinner VfL Gummersbach in bester Erinnerung geblieben.

Wenn man die 25 Jahre von 1976 bis heute Revue passieren lässt, fallen einige wesentliche Entwicklungen auf, die sich auch auf den TSV Ober-Saulheim ausgewirkt haben:
Obwohl sich die Mitgliederzahlen des Vereins in den 70er und 80er Jahren rasant nach oben entwickelt haben, sah man sich gezwungen, nach sportlichen Partnern zu suchen, um die gesetzten Zielvorstellungen besser verwirklichen zu können. So schlossen sich die Leichtathleten schon vor 1976 der Trainingsgemeinschaft LAZ Nieder-Olm an, wo sie bis heute verblieben sind.

Im Jugendbereich der Handballabteilung gab es seit 1980 eine enge Kooperation mit dem TuS 1897 Saulheim, eine sogenannte Jugendspielgemeinschaft.
Die ersten Bemühungen um eine Fusion der beiden Saulheimer Turn- und Sportvereine im Jahr 1981 scheiterte am Votum der Generalversammlung des TSV, an der die „Traumzahl“ von etwa 140 Mitgliedern teilnahmen. Dass die gescheiterte Fusion nach anfänglichen Irritationen das gut nachbarliche Verhältnis der beiden Vereine nicht nachhaltig gestört hat, beweist die Tatsache, dass man die Zusammenarbeit weiterhin pflegt.

Seit der Saison 1988/89 spielen die Saulheimer Handball von TuS und TSV in einer Spielgemeinschaft, der SG Saulheim. Im Jubiläumsjahr 2001 (75 Jahre) des TSV nahmen nicht weniger als 16 Mannschaften am offiziellen Spielbetrieb teil. Das ist sicher Beweis genug, dass die Zusammenarbeit mittlerweile hervorragend funktioniert.

Seit 1999 haben die beiden oben genannten Vereine auch für die anderen Abteilungen weitgehende Vereinbarungen der Zusammenarbeit getroffen. So stehen beispielsweise den Mitgliedern der beiden Vereine die Angebote des jeweiligen anderen Vereins in vollem Umfang zur Verfügung. Eine begrüßenswerte Maßnahme, um möglichst vielen Menschen ein möglichst umfangreiches sportliches Angebot unterbreiten zu können.

Das Freizeitverhalten der Menschen insgesamt hat sich in den zurückliegenden 20 Jahren grundlegend geändert. Fitness oder Wellness ist in der Bevölkerung gefragt wie nie zuvor. Viele Menschen, welche die sportliche Aktivität suchen, scheuen sich, die Verpflichtungen einer Mitgliedschaft in einem Verein anzunehmen. Vorbehalte gegen die „typisch deutsche Vereinsmeierei“ mögen auch eine Rolle spielen. Diesem Trend tragen die allerorts entstandenen kommerziellen Fitness-Studios Rechnung, anfänglich argwöhnisch von den traditionellen Turnvereinen beobachtet. Die Skepsis ist längst gewichen. Mittlerweile hat man gelernt, die Stärken dieser Einrichtungen für sich selbst zu nutzen.

So ist es heute eine Selbstverständlichkeit, dass viele der sportlichen Angebote im TSV Ober-Saulheim in Kursen auch für Nichtmitglieder offen sind. Und dass man sich den sogenannten Fun-Sportarten, die meist aus Amerika zu uns herüberschwappen (Step-Aerobic, Rope-Skipping, Cheerleading, Skate-Boarding etc.), nicht verschließen darf, braucht hier nicht besonders erwähnt zu werden.

Traditionelle Turn- und Sportvereine und kommerzielle Fitness-Studios sind fast überall zu sich gegenseitig ergänzenden Einrichtungen geworden, die sich durch das Setzen verschiedener Schwerpunkte um den gesundheitsbewussten und fitnessorientierten Menschen bemühen, und dies tun sie mit großem Erfolg.

Wer jedoch in der sportlichen Betätigung über den Gesundheitssport hinaus auch die Herausforderung des ständigen Wettkamps mit anderen sucht, wer sich je nach Sportart allein oder in einem Team mit Gleichgesinnten messen will, der ist in aller Regel in
einem Sportverein besser aufgehoben.

Die Verantwortlichen im TSV 1926 Ober-Saulheim e. V. sind gut beraten, sich immer der eigenen Wurzeln bewusst zu sein, denn dieser Verein ist 1926 entstanden, weil sich
junge Sportler in einem Verein nicht mehr wohl und nicht mehr verstanden fühlten, der allzu sehr in althergebrachten Traditionen verankert war. Ein offenes Ohr und wache Augen für neue Entwicklungen, das Einbeziehen der Jugend in die Entscheidungsprozesse, eine junge, tatkräftige Vorstandschaft, gemischt mit einigen erfahrenen Kräften, das waren und sind bis heute die Garanten des Erfolgs im TSV 1926 Ober-Saulheim e. V.

Wenn das so bleibt, können wir uns schon heute auf den 100. Geburtstag im Jahr 2026 freuen.